Fruchtwasserpunktion (Ja oder Nein):
Auf den ersten Blick ist diese Frage schnell beantwortet:( http://www.humangenetisches-centrum.de/punktion.html),
das heißt, dass bei 200 Punktionen ein Kind (untersuchungsbedingt) stirbt, ...wofür ?
Für die Informationsgewinnung allein kann das wohl kein akzeptables Risiko
sein, zumindest würde man für sich selbst dieses Risiko wohl kaum eingehen. Es
geht also von vorn herein darum, dass das Kind aktiv getötet wird, wenn es
gewissen Kriterien nicht entspricht.
Bejaht werden kann die Frage wohl schon, wenn man es mit einer austauschbaren
Ware zu tun hat, denn dann kann man ja im nächsten Monat wieder schwanger
werden, halt so lange immer wieder versuchen, bis das Ergebnis passt, …schöne neue/heile
Welt.
Die Rolle des Staates unter Kostengesichtspunkten ist sicher auch beachtenswert. Durch die Fruchtwasserpunktion sind die Gesundheitskosten niedrig zu halten, so dass viele Staaten diese Untersuchung mehr oder weniger zur Pflicht machen oder die Mutter zur Unterschrift der Eigenhaftung bei Untersuchungsverweigerung nötigen.
Die entscheidende Frage bleibt die nach der Verfügbarkeit des Lebens, eine Frage, die angesichts der technologischen Fortschritte heute so facettenreich gestellt wird und eigentlich schon allein aufgrund des Facettenreichtums kaum noch kategorisch angegangen werden kann. Durch die permanente, immer wieder neu differenzierte Anfrage kann die Antwort wohl kaum noch gebetsmühlenartig ein „absolutes“ Nein sein, ohne als senil, verbohrt oder unbelehrbar zu gelten, es sei denn, man nimmt das hin.
Meine Sache ist es nicht, hier eine philosophische oder auch theologische Dimension aufzureißen, auf dieser Site ist die tatsächliche persönliche Lage, die praktische Vernunft als Antworthorizont angefragt.
Ich stelle heute die Frage, was wäre, wenn auf die Punktion eingegangen worden wäre, meist dann nur ca. 3 Tage bleiben (die Punktion findet in der 16. Woche statt, das Ergebnis kommt in der 19. Woche, eine Abtreibung nach der 20. Woche ist juristisch auch bei medizinischer Indikation untersagt), um zwischen Leben und Tod auf dem Richtersessel Platz zu nehmen. Eins ist sicher, der Platz müsste besetzt werden, ...von mir, denn es würde sich niemand Anderer finden. Ich wäre ungeübt und überrascht in diese Position berufen, hätte weniger Zeit als ein Richter in einem Rechtsstaat (bei einer Frage um Leben und Tod), die Informationsbasis wäre noch dürftig und der Erfahrungshintergrund gleich null.
Ich bin heute sehr froh, zu dieser Position nicht genötigt worden zu sein, statt dessen sicher mit einer flachen Antwort die Frage pariert zu haben, denn in jedem Fall hätte ich sonst verloren.
Wäre ich ein „Held“ gewesen oder nicht, jede Antwort wäre eigentlich falsch. Die Versuchung zur Abtreibung wäre groß angesichts des Zeitdrucks und der Angst vor dem Unbekannten, unsere Ehe hätte dieser Schritt wohl nur für kurze Zeit überstanden, denn wir hätten uns die Basis fragloser Wertschätzung genommen, ganz zu schweigen von den unmittelbaren psychologischen Folgen.
Auch die Antwort der Kindesbejahung wäre nicht einfach „richtig/gut“
gewesen, auch wenn der Geburtsschock vermieden worden wäre. Die Verantwortung
für die Punktionseinwilligung mag man nachträglich noch als „lässliche Schuld“
betrachten (ich für mich würde das so sehen, diese Einstufung würde nur gegen
mich selbst gelten (subjektive Schuld), nicht gegen Andere, die auf ihrem Boden
der persönlichen Situation plötzlich vor „der Frage“ stehen), aber hätte ich
mich nicht nach dem ersten „Sündenfall“ immer wieder in der alte Fragestellung
versucht gefühlt, wenn die Belastung zwischenzeitlich ins scheinbar
Unerträgliche wächst ?
Naiv habe ich geantwortet, man mag das belächeln, es hat mich geschützt und ich
hoffe, dass die Versuchung zukünftig unterbleibt.
Na und ? Dann bin ich ja wohl voll verantwortlich, stehe zu meinen Taten, habe das Schicksal auf mich zu nehmen, die Konsequenzen zu tragen ?
Ja klar, viel mehr als ein Opfer einer Gewalttat, das auf dem falschen Weg nach Hause ging (und mit seiner Opferrolle umgehen lernen muss), jeder Beamter oder Politiker, der wegen Fehlverhaltens in seiner Behörde seinen Hut nimmt, eher vielleicht so sehr wie ein Vater, der seiner Familie (vielleicht nach vielen Wochen der beruflichen Abwesenheit) aus Zuneigung Zeit einräumt und Ende 2004 einen Urlaub am Strand in Aceh (Sumatra) spendiert.
Ich habe das aber nicht so gewollt, es ist mir geschehen !
....religiös zuende gesinnt (der nicht-religiöse Mensch
möge seine „bessere“ Antwort hier einsetzen und ich wäre sehr an der Antwort
interessiert): Dein Wille geschehe, hilf meinem Unglauben und halte mich
und meine Angehörigen in Deiner Hand, denn wir gehen sonst unter.