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Es war mitten in der Schwangerschaft. Meine Tochter Maria, die ich sonst ja gerne mag, kam auf die glorreiche Idee, die Rollenverteilung bei „unserem Projekt“ zu diskutieren. Wir haben zuhause keine Probleme mit unseren Grenzen und Rechten, keine Probleme, Grenzübertritte einander zu gestatten. Ich lebe in einem familiären Umfeld, in dem Luft ist, weil keiner auf einer exakten Grenzziehung beharrt oder immer sofort in die Bresche schlägt, wenn Freiräume entdeckt werden, um sich den freien Raum einzuverleiben. Nein, bei uns wird wirklich so gelebt, dass es Luft zwischen uns gibt, ein Freiraum der Begegnung.
Maria stellte eher laut sich selbst die Frage: „Papa,
eigentlich haben doch die Mütter viel mehr am Kind Anteil, sie haben eine
Gebärmutter, sie tragen das Kind aus. Die Väter haben doch eigentlich recht
wenig damit zu tun ? “ Na ja, ich nahm den
Fehdehandschuh auf und ich rang mit meiner 8-jährigen Tochter. Klar,
letztendlich konnte ich mich mit meinem „Gen-Argument“ durchsetzen. Maria
willigte auf 50/50 ein. Meine Frau war vom Gezerre ganz müde geworden und
genießt diese Spiele nicht so wie wir beiden. Gönnerhaft hat sie einen großen
Fehler am Ende des Gespräches gemacht, denn Maria und ich waren schon
eigentlich fertig miteinander.
„Du Papa, ich schenke dir einen Prozent“ …das hätte sie nicht tun sollen !
Ich fühlte mich um das Gespräch, den Genuss gebracht.
„Damit habe ich 51% und die Mehrheit!“ „Maria, Du hast das gehört, bist mein Zeuge.“ Ich erklärte nun in aller epischen und sonst wie Breite, was es bedeutet, dieses eine Prozent zu haben. Nach dem zweiten Gezerre wollte Maria dieses Prozent für die weibliche Seite zurückhaben und das ließ sie nicht los.
Monatelang wiederholten wir dieses Spiel und die Erinnerung:
„Denk dran, 51%, der Kinderwagen wird so nicht gekauft!“; „Was willst Du
überhaupt, lass mich mal erst horchen, ich habe ja wohl das meiste Recht, Mama
kann sowieso nicht horchen, nur mein Ohr kommt dahin, Du weißt ja…“; oder auch
von meiner Frau, die nun auch in diesem Spiel gefesselt war: „Die Sache mit dem
Wickeln würde ich mir schwer überlegen, 51% sind 51%“.
Insgeheim habe ich mich auf die Zeit nach der Geburt gefreut, das Spiel hatte
Potential.
…Unser Spiel endete mit der Geburt, keiner von uns nahm es wieder auf…